Golf IV
VW → Golf → Golf IV
1997–2003

Der VW Golf IV (werksintern Typ 1J) ist die vierte Generation des VW Golf. Er kam 1997 auf den Markt und wurde als Drei- und Fünftürer bis 2003 gebaut, danach übernahm der Golf V. Die Kombiversion Golf Variant lief von 1999 bis 2006 weiter. Das Golf IV Cabrio ist technisch ein überarbeiteter Golf III und kein eigenständiger Golf IV. Der Golf IV hat Frontantrieb; Allradantrieb (4Motion) gab es für einige Motoren optional, beim V6 und beim R32 serienmäßig. Die Karosserie ist vollverzinkt, die Auswahl an Benzin- und Dieselmotoren ist sehr groß. Der Golf IV gilt als solider und sehr beliebter Gebrauchtwagen. Die Fachpresse rät aber eher zu späteren Baujahren (je nach Quelle ab 1999 oder ab 2000), weil die ersten Jahrgänge Kinderkrankheiten hatten. Vor dem Kauf wichtig: Serviceheft und Rechnungen ansehen – bei TDI-Dieseln vor allem den Nachweis über den Zahnriemenwechsel –, Heckklappe und vordere Kotflügel auf Rost prüfen und die bekannten Schwachstellen der jeweiligen Motor-Getriebe-Kombination im Blick haben. Welche Punkte ein bestimmtes Auto betreffen, hängt stark von Motor und Baujahr ab; im Zweifel hilft ein Gebrauchtwagen-Check in einer Fachwerkstatt.
Stärken
- Spürbar höhere Qualität als der Vorgänger – Gegenüber dem Golf III hat der Golf IV engere Spaltmaße an der Karosserie und hochwertigere, meist aufgeschäumte Kunststoffe im Innenraum. Laut ADAC überzeugt die Verarbeitungs- und Materialqualität auch nach zwei Jahrzehnten noch.
- Gute Rostvorsorge ab Werk – Die Karosserie ist vollverzinkt, VW gab zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung. Die Fachpresse bescheinigt dem Golf IV deshalb einen guten Schutz vor Korrosion, sofern frühere Blechschäden fachgerecht repariert wurden. Ganz rostfrei ist er trotzdem nicht (siehe Schwächen).
- Sicheres, komfortables Fahrverhalten – ADAC und mobile.de loben die sichere Straßenlage und gute, standfeste Bremsen; der ADAC nennt außerdem hohen Fahrkomfort und leichte Bedienung. ABS war von Anfang an Serie, ebenso Front- und Seitenairbags. ESP (Schleuderschutz) wurde 1999 serienmäßig, Kopfairbags kamen 2002 dazu – bei frühen Autos also genau auf die Ausstattung schauen.
- Solide Technik mit großer Auswahl – Rund 20 Benzin- und Dieselmotoren standen zur Wahl, vom 68-PS-Saugdiesel bis zum R32 mit 241 PS, dazu Drei- und Fünftürer und der Kombi Variant. Die Technik gilt laut ADAC weitgehend als solide; bei gründlicher Wartung kann ein Golf IV sehr hohe Laufleistungen erreichen. Die 1.9-TDI-Diesel gelten als langlebig, wenn der Zahnriemen rechtzeitig gewechselt wurde.
- Beliebt, günstig und gut zu bekommen – Der Golf IV gilt als bevorzugte Golf-Baureihe auf dem Gebrauchtmarkt und ist zu relativ günstigen Preisen verfügbar. Die meisten Verschleißteile sind laut auto motor und sport günstig zu haben.
Schwächen
- Kinderkrankheiten der ersten Baujahre – Vor allem frühe Autos (Modelljahre 1997 und 1998) hatten Qualitätsprobleme: wacklige Armlehnen, aus der Halterung fallende Schalter, durchhängende Türen und streikende elektrische Fensterheber durch gebrochene Kunststoffteile der Scheibenführung. Die Fachpresse empfiehlt deshalb spätere Baujahre – je nach Quelle ab 1999 oder ab 2000.
- 1,4-Liter-Benziner (16V): Frostschaden und Öldurst – Wegen einer mangelhaften Kurbelgehäuse-Entlüftung (Entlüftung des Motorblocks) kann sich bei starkem Frost Eis im Motoröl bilden, was den Motor schwer beschädigen kann. VW baute ab 2000 bzw. Ende 2000 eine beheizbare Entlüftung ein und rüstete ältere 1,4er kostenlos nach. Ob das beim jeweiligen Auto erledigt ist, sollte eine VW-Werkstatt bestätigen. Außerdem neigt dieser Motor laut auto motor und sport zu hohem Ölverbrauch und zu Kolbenkippern (Schaden im Motorinneren) – Motorgeräusche und Ölverbrauch deshalb vor dem Kauf ernst nehmen.
- TDI-Diesel: Zahnriemenwechsel unbedingt belegen lassen – Reißt der Zahnriemen, droht ein kapitaler Motorschaden. Vor dem Kauf sollte der rechtzeitige Wechsel durch Serviceheft oder Rechnungen nachgewiesen sein; der Wechsel selbst gehört in die Fachwerkstatt. Zudem fallen die Diesel bisweilen durch defekte Einspritzinjektoren (Pumpe-Düse-Elemente) auf.
- Schaltgetriebe bis Baujahr 2001 – Laut auto motor und sport kann sich bei Schaltgetrieben bis Baujahr 2001 die Verbindung zwischen Differenzial und Tellerrad lockern, weil VW bis 2001 unterdimensionierte Nieten verbaute – ein teurer Schaden im Getriebeinneren. Auffällige Geräusche aus dem Getriebe auf der Probefahrt deshalb in einer Fachwerkstatt prüfen lassen.
- Rost an Heckklappe und Kotflügeln – Trotz Vollverzinkung: Löst sich der Schlauch der Heckscheibenwaschanlage, läuft unbemerkt Wasser in die Heckklappe. Der ADAC nennt zudem das untere Ende der vorderen Kotflügel als rostanfällig; Schmutz hinter den vorderen Radhausverkleidungen begünstigt dort Rost. Auch der Endschalldämpfer kann im Alter durchrosten.
- Zündspulen, Zentralverriegelung und Kraftstoffpumpe – Bei Benzinern (vor allem beim 1.6 FSI, aber auch beim 1,6-Liter mit 101 PS) fallen im Alter gern Zündspulen aus; dann läuft der Motor auf einem Zylinder weniger. Spinnt die Zentralverriegelung, ist laut Fachpresse meist das Steuergerät defekt. Außerdem nennt mobile.de defekte Kraftstoffpumpen bei Benzinern bis 2001 und Dieseln bis 2000.
- Bremsen und Fahrwerk bei der Hauptuntersuchung – Der TÜV beanstandet beim Golf IV häufig die Bremsanlage, besonders die hinteren Bremsen; an der Hinterachse hängt manchmal die Verstellung der Feststellbremse (Handbremse). Nach rund 15 Jahren können außerdem Kugelbolzen (Gelenke der Vorderachsaufhängung) und Achsmanschetten verschlissen sein. Den letzten HU-Bericht deshalb genau ansehen.
- Übersicht und Kopfstützen – Die breiten C-Säulen schränken die Sicht nach schräg hinten ein, etwa beim Ausparken. Die Kopfstützen sind laut mobile.de vorn nur für Personen bis etwa 1,75 Meter und hinten bis etwa 1,65 Meter ausgelegt.
- Rückrufe prüfen lassen – Laut ADAC gab es beim Golf IV mehrere Rückrufe, darunter 2020 eine kostenlose Aktion wegen fehlerhafter Airbags. Airbags sind reine Werkstattsache: Ob für ein bestimmtes Auto noch eine Rückrufaktion offen ist, kann eine VW-Werkstatt prüfen; neuere Rückrufe listet auch der ADAC.
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